Attention is the limit.

Thoughts & News rund um Wirtschaft, Sinn & Ethik.

„Attention is all you need.“ So hieß 2017 das Papier, das die heutige KI möglich machte. Acht Forscher bei Google zeigten darin, dass ein Sprachmodell vor allem eines braucht: einen Mechanismus, der entscheidet, worauf es achtet. Welches Wort gehört zu welchem, was zählt gerade, was kann warten. Alles andere folgt daraus.

Die KI hält uns den Spiegel vor. Sie kann so viel, dass wir sehen, wie wenig wir können. Diese Einsicht gehört zu den ältesten der Menschheit: Wir sind begrenzt. Und genau das macht uns aus. Weisheit beginnt an der Grenze zur Endlichkeit.

Neu ist die Schärfe des Spiegels. Die Maschine entblößt den Trott und die Boxen, in denen wir uns und unser Denken so wohlig eingerichtet hatten. Wir wunderten uns nur, warum die Freude sich leise zurückzog, warum das Herz nicht mehr brannte. Klug eingesetzt, gibt die KI uns die Zeit zurück, die in Belanglosigkeit verschwand. Draufging für die Nichtigkeiten des in die Welt geworfenen Seins. Worauf richten wir sie jetzt neu aus?

Wir brauchen Attention für das Neue, das nun möglich wird. Pionieraufmerksamkeit. Flügel aufspannen in den Aufwind. Konkret an vier Stellen:

Für das neue Maß. Software wird zum ersten Mal billig genug, um für genau ein Unternehmen oder gar nur einen User zu entstehen. Hyper-Customization ist ein Gamechanger.

Für die Zeit. Die Routine wandert in die Maschine. Wohin die gewonnene Zeit geht, entscheidet, ob ein Unternehmen nur effizienter oder auch wirklich besser wird.

Für den Rahmen. Welche Entscheidung beim Menschen bleibt, wird zur axiomatischen Frage jeder Strategie. Wo und wie ist das Herz im Loop?

Für die Kultur. KI-Transformation geht mächtig ans Eingemachte der Organisation. Kultur wird mehr denn je zum Nährboden, auf dem das Neue wächst oder vieles eingeht.

Gleichzeitig bekommt der Satz „Attention is the limit“ seinen zweiten Sinn. Unsere Aufmerksamkeit begrenzt, was möglich wird. Und unsere Aufmerksamkeit muss begrenzen, was möglich sein darf. Das ist unsere Verantwortung für die Gestaltung der Welt.

Der ganze Essay ist lang geworden. Mit fünf Zonen, einem Jahr im Trainingsplan & dem Belastungs-EKG für die eigene Organisation. Wer ihn lesen mag:

Infos zum Autor: Tobias Siebel ist Theologe, Germanist, 
Berater & Unternehmer. Als Gründer 
von TALER & TALAR sucht er die Verbin-dung von Wirtschaft, Sinn & Ethik. 
Mit seinem Beratungsunternehmen 
begleitet er Organisationen in Marken-strategie, Innovationsentwicklung & 
Transformation. Er ermutigt Marken & 
Menschen, ihren Purpose zu leben, 
Beziehungen zu gestalten & Werte wirk-sam werden zu lassen: innen wie außen.

Der TALER & TALAR Thoughts Newsletter erscheint regelmäßig. Er liefert Impulse, Gedanken & News rund um Wirtschaft, Sinn & Ethik. Wir freuen uns über Weiterempfehlung, Feedback & Wünsche.