Ein Geist ist wichtiger als ein Projekt – Frohe Pfingsten!

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Pfingsten lässt sich nur verstehen, wenn man es gegen seine Schwester-Geschichte liest. Der berühmte Turmbau zu Babel, von dem auch die Sprachlernapp ihren Namen hat.

In Babel will die Menschheit gemeinsam einen Turm bauen, der bis in den Himmel reicht. Ein gewaltiges Projekt, triefend vor Hybris und Größenwahn. In der Geschichte sprechen die Menschen zunächst eine Sprache, sie können sich in ihrem Hochmut verständigen, ermutigen. Es geht um sie und ihr Tun.

Doch dann passiert das Unerwartete: Sie werden zerstreut, sie verstehen einander nicht mehr, sprechen nun unterschiedliche Sprachen, und das Projekt scheitert.

Pfingsten dreht die Geschichte um. Eine kleine Gruppe von Menschen sitzt in einem Haus beisammen. Es fängt klein und ungeplant an. Plötzlich empfangen sie einen Geist aus der Höhe, sie beginnen zu sprechen in allen Sprachen, die es so gibt. Die dazukommenden Menschen aus allen Kulturen verstehen, was sie sagen und bezeugen. Es ist ein gemeinsamer Geist, der sich durch viele Sprachen hindurch verständlich macht und Dinge bezeugt, die über jeden Einzelnen hinausgehen.

Babel: ein Projekt, eine Sprache, Selbstbezug, Zerstreuung.
Pfingsten: ein Geist, viele Sprachen, Bezeugung, Verbundenheit.

In Unternehmen sehe ich zu oft Babel. Wir bauen Türme aus Strategiepapieren und Transformationsprogrammen, OKRs, Roadmaps. Und wir wundern uns, warum die Menschen sich nicht mehr verstehen, obwohl sie an einem Ziel arbeiten sollen.

Vielleicht haben wir zu viel Projekt und zu wenig Geist. Zu wenig Kultur, aus der fruchtbare Vielfalt wachsen kann. Zu wenig Mut, zu empfangen, zu vertrauen.

Was formt in Unternehmen einen Geist?
Eine Kultur, die nicht nur aus einem Workshop kommt, sondern aus einem gemeinsamen Atem, der eingeübt wird, dem Raum gegeben wird. Eine Verbundenheit, die unterschiedliche Sprachen nicht nur aushält, sondern fördert, weil sie von etwas Tieferem getragen und gehalten wird.

Der Pfingstgeist macht Menschen nicht uniform, er verdichtet sie auch nicht auf ein Projekt hin. Er macht sie polyphon, denn Liebe ist Melodie. Wer gemeinsam gestalten will, darf sich gestalten lassen. Das ist die schwerste und schönste Führungsaufgabe unserer Zeit: Den gemeinsamen Geist tiefer verankern. Aus dem Purpose gestalten.

Frohe Pfingsten.

Infos zum Autor: Tobias Siebel ist Theologe, Germanist, 
Berater & Unternehmer. Als Gründer 
von TALER & TALAR sucht er die Verbin-dung von Wirtschaft, Sinn & Ethik. 
Mit seinem Beratungsunternehmen 
begleitet er Organisationen in Marken-strategie, Innovationsentwicklung & 
Transformation. Er ermutigt Marken & 
Menschen, ihren Purpose zu leben, 
Beziehungen zu gestalten & Werte wirk-sam werden zu lassen: innen wie außen.

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